GRÜNE Bundestag zum: Armutsrisiko Wohnen

Logo-Grüne-BTFWohnraum wird vielerorts knapp und teuer. Das zeichnet sich schon seit mehreren Jahren ab und ist seit dem Immobilienbericht der Bundesregierung von 2011 sogar amtlich. Innerhalb nur eines Jahres sind laut Immobilienbericht die Mieten in vielen großen und mittleren Städten um bis zu 10 Prozent gestiegen. Das mit Abstand teuerste Gut der täglichen Versorgung wird damit für immer mehr Menschen unbezahlbar.

Jetzt wurde bekannt, dass in mehr als jeder zweiten größeren Stadt das Armutsrisiko von Kindern aufgrund der Mietpreise zunimmt. Aufgrund der hohen Wohnkosten bleibt vielen Familien deutlich weniger zum Leben übrig, als etwa Hartz-IV-EmpfängerInnen zusteht. Auch die Konzentration armer Familien in wenigen, abgehängten Quartieren und die Entfernung familiengeeigneter bezahlbarer Wohnungen vom Stadtzentrum nehmen zu. Das belegt die neue Studie der Empirica AG im Auftrag der Bertelsmann StiftungWohnungsangebot für arme Familien in Großstädten“.

Schwarz-Gelb hat die Lage verschärft

Das ist ein erneuter Beleg dafür, dass die schwarz-gelbe Regierung in den Bereichen Mietrecht, Wohnen und Stadtentwicklung die falschen Entscheidungen trifft. Schwarz-Gelb hat in den letzten vier Jahren nichts unternommen, um die Verteuerung und damit die hohen Verluste von Wohnraum im preiswerten Segment aufzuhalten. Vielmehr wurden mit der letzten Mietrechtsnovelle von Mai 2013 die Rechte von Mieterinnen und Mietern beim Kündigungsschutz und der Mietminderung abgebaut. Das Wohngeld hat Schwarz-Gelb gekürzt. Das zentrale Programm für die Stabilisierung benachteiligter Stadtviertel „Soziale Stadt“ hat die Merkel-Regierung um zwei Drittel gekürzt und inhaltlich entkernt. Die grüne Mietpreisbremse übernahm Merkel zwar, die CDU-Bundestagsabgeordneten haben aber unseren gleichlautenden Antrag dazu im Bundestag noch Ende Juni 2013 abgelehnt. Die Städtebauförderung wurde reduziert, unsere Vorschläge für Milieuschutz im Rahmen der Baurechtsnovelle abgelehnt.

Maßnahmen gegen Armut und Verdrängung durch hohe Mieten

Mit dieser grundlegenden Studie zur räumlichen Segregation (das heißt, die Verteilung von Bevölkerungsgruppen innerhalb der Städte) und dem Armutsrisiko durch Wohnkosten zeigen sich das Ausmaß und die Folgen der zunehmenden Wohnraumknappheit. Sie untermauern vorhandene Befunde des Deutschen Instituts für Urbanistik zur Segregation. Die Autoren der Bertelsmann-Studie empfehlen Investitionen in kommunalen Wohnraum, eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Ressorts und Maßnahmen für benachteiligte Stadtteile. Unser Konzept, das geeignete Antworten auf die Herausforderungen gibt und die Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Wohnungsmärkten berücksichtigt, finden Sie hier.

Der Wohnungsmarkt in Deutschland ist regional sehr unterschiedlich. Neben den wachsenden Städten gibt es auch schrumpfende Regionen und Gemeinden, in denen die Wohnkosten aufgrund geringer Nachfrage niedrig sind. Daher müssen wohnungspolitische Maßnahmen regional differenziert sein. Empirica empfiehlt eine genaue Analyse der Situation in den einzelnen Regionen und Städten.

Die Untersuchungsergebnisse im Einzelnen:

In der Untersuchung wurden die 100 größten Städte Deutschlands analysiert. Untersucht wurden die Höhe des verbleibenden Haushaltseinkommens, nach Abzug der Miete für Familien mit unterdurchschnittlichen Einkommen, und die Auswirkungen der hohen Mietbelastung auf Armutsrisiko und die räumliche Verteilung von Wohnen nach Einkommenshöhe.

Der Wohnungsmarkt hat demnach drastische Auswirkung auf das Budget von Familien mit einem Einkommen unter 60 Prozent des ortsüblichen Einkommens. In Jena bleiben einer Familie mit zwei Kindern nach Überweisung der Miete nur 666 Euro pro Monat, das sind 43 Prozent weniger als die staatliche Grundsicherung. Ähnliche Auswirkungen haben die hohen Wohnkosten in anderen großen und mittelgroßen Städten, wie Frankfurt/Main, Freiburg und Regensburg.

Damit nicht genug: in vielen Städten müssen Familienhaushalte sehr weit außerhalb des Stadtzentrums ziehen um eine bezahlbare Wohnung zu finden. Familien mit durchschnittlichen Einkommen finden im Schnitt erst 8 Kilometer außerhalb des Zentrums eine Wohnung (Wert von Berlin), In Frankfurt am Main sind es 18 km, in Jena 20 km, Spitzenreiter sind München und Freiburg mit 40 Kilometern.

Anhand einer Konzentrationsziffer zeigt die Studie, dass Haushalte mit niedrigen Einkommen nur in jedem zehnten Stadtteil eine bezahlbare und familiengeeignete Wohnung finden, in Bonn und Erlangen nur in jedem hundertsten. Also werden die geringverdienenden Familien sich auf wenige Quartiere konzentrieren. In diesen Lagen, so zeigen andere Studien, haben Kinder schlechtere Entwicklungschancen als in gemischten Quartieren. Armut kann sich hier leichter verfestigen.

7 replies on “GRÜNE Bundestag zum: Armutsrisiko Wohnen”

  1. Fran sagt:

    Bemerkenswert ist doch, daß es eine Studie der Ber­tels­mann Stif­tung ist, die steht ja nun nicht im Verdacht besonders weit links zu stehen

  2. Franciscus sagt:

    “Armes Deutschland” hat offensichlich mehr als eine Bedeutung….

  3. Ida B. sagt:

    TRAURIG WIE SICH DIESE GESELLSCHAFT ENTWICKELT!
    SCHÄMT EUCH!

  4. Mario B. sagt:

    Als nächstes kommt dann “Armutsrisiko: Lebensmittel”?
    #wisstabescheid

  5. Michael sagt:

    Vor einem Jahr war es fast jeder 2., nun dürfte es schon mehr als jeder 2. sein!

  6. Monica Lottich sagt:

    Was glaubt Ihr eigentlich wo uns das hinführen wird?
    Zitat: “Das mit Abstand teu­erste Gut der täg­li­chen Ver­sor­gung wird damit für immer mehr Men­schen unbezahlbar.”

  7. Gregor sagt:

    Die soziale Spaltung die immer weiter voran schreitet liegt im Kern an der der Wohnungsfrage.

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