Neubau: Flucht nach oben, statt nach vorn – Wohnhochhäuser

Praedium (Foto: NH Projektstadt)

Sie kommen wieder, die die wir Architektursünden, Wohnsilos oder ähnliches nennen – Wohnhochhäuser. Der Neubau nimmt also Gestalt an. Jedoch nicht als Neubau bezahlbarer Mieten, geschweige denn günstiger Mieten. Diesmal ist es anders, sie kommen nicht als Sozialer Wohnungsbau wieder, sondern in der Hochpreisversion. Am Berliner Alexanderplatz soll das höchste seiner Art in Deutschland entstehen, ein 150 Meter hoher Wohnturm, nach einem Entwurf von Star-Architekt Frank Gehry. Auch der Steglitzer Kreisel ist mal wieder im Gespräch. Die Never-Ending-Story über das asbestbelastete Gebäude führt nun zum Wohntower mit 185 Edelwohnungen. Aber nicht nur Berlin – Frankfurt, Stuttgart, Hamburg oder Düsseldorf alle sind dabei, keiner will den Trend verpassen. Höher, Schneller, Weiter! Oder so ähnlich.

Steglitzer Kreisel

Steglitzer Kreisel in Berlin

Führt uns der Mangel an Wohnraum zurück in die Zeiten der Wohnhochhäuser? Wirklich innovativ ist die Idee nicht – und gescheitert ist sie früher schon. Die Baukosten steigen mit jedem Meter an und auch die Instandhaltungskosten liegen deutlich über dem Durchschnitt. Bislang konnte einzig eine gewerbliche Nutzung (Büros, Hotels, etc…) die Hochhäuser wirtschaftlich machen. Wohnungsmieten reichten – in der Vergangenheit zumindest – nicht dafür aus.

Praedium in Frankfurt
In Frankfurt errichtet die Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte über ihre Tochter NH ProjektStadt gerade für 100 Millionen Euro das Praedium. Der 19stöckige Wohnturm im Europaviertel soll nach Fertigstellung im übernächsten Jahr 66 Meter in die Höhe ragen. (manager magazin)

Ob das Hochpreissegment diesen gordischen Knoten zerschlägt und Wohnhochhäuser langfristig wirtschaftlich macht, bleibt abzuwarten. Auch abzuwarten bleibt, ob diese Wohnungen den Druck auf die Bestandsmieten, insbesondere von Altbauten nehmen – wie einige sagen. Nur dann wären sie  ein „Beitrag“ zur Berliner Wohnungspolitik. Sonst werden sie lediglich ein Kapitel Architekturgeschichte, wie ihre Vorgänger im Sozialen Wohnungsbau – nur diesmal noch teurer.

Der neue Trend der Wohnhochhäuser könnte aber auch ein Zeichen für die wachsende Immobilienblase sein. Denn gerade in den Großstädten, in denen der „Markt überhitzt sei“ (darüber sind sich mittlerweile fast alle einig) werden sie gebaut. Tritt dieses Szenario ein, kommt bald das nächste Problem – was wird aus diesen Häusern?

2 replies on “Neubau: Flucht nach oben, statt nach vorn – Wohnhochhäuser”

  1. Henrick Kayer sagt:

    @Sophie: Klasse Kommentar!

  2. Sophie Pabst sagt:

    387 Millionen Dollar, für eine einzige Wohnung! (siehe hier: Die Luxuswohntempel der Superreichen) das kann doch unmöglich den tatsächlichen Wert wiederspiegeln. Sicher ist Monaco teurer; die Ausstattung, die Aussicht, das Umfeld, etc., etc., pp…. alles wird das beste vom Besten, atemberaubend usw. sein. Aber das ist dann etwa ein Quadratmeterpreis von 1,1 Millionen Dollar. Bei so einem absurden Preis nicht von einer Immobilienblase zu sprechen, zeigt schlicht die blinde Gier. Das endet (wieder) böse….. sehr traurig, dass wir einfach nicht dazu lernen wollen…..

Comments are closed.