Tag Archives: Süddeutsche Wohnen

GSW Gebäude freie Arbeit

Was wird werden, GSW?

GSW Gebäude freie ArbeitWo steuert sie hin, die GSW?

Neue Unruhe ist da. Nach dem Verkauf der einst Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft und nach dem Börsengang, kommt nun das Übernahmeangebot der Deutschen Wohnen.

Die ebenfalls an der Börse notierte Deutsche Wohnen (in Berlin z.B. durch die Hufeisensiedlung bekannt) will die GSW kaufen. 1,7 Milliarden Euro ist ihr das wert. DWlogoNun sind die Sorgen groß, waren die Konsequenzen solcher Paketverkäufe doch stets spürbar – um nicht zu sagen schmerzhaft. Lukas Siebenkotten Direktor des Deutschen Mieterbundes fasste die Befürchtungen zusammen. „Wir müssen damit rechnen, dass Synergieeffekte, die erzielt werden sollen, auch dazu führen, dass Instandhaltung zurückgefahren wird, dass Ansprechpartner weiter wegrücken und das ganze Verfahren auch für die Mieter komplizierter wird.“ Auch bei den Mieten erwartet der Mieterbund: wei­ter­le­sen →

logo_südewo

Keine Ruhe für die SÜDEWO Mieter_innen

logo_südewoDie Sozialcharta die Baden-Württemberg und die PATRIZIA AG vereinbart haben, als die LBBW Wohnungen (heute SÜDEWO, Süddeutsche Wohnen Gruppe) verkauft wurden schlägt weiter Wellen. Die Mieter_innen der SÜDEWO können sich nur bedingt auf die Sozialcharta berufen, da sie nicht mit den Mieter_innen (als Teil des Mietvertrages) vereinbart ist, sondern nur zwischen Käufer und Verkäufer. Die SÜDEWO selbst teile in ihrer Pressemitteilung dazu mit: „Dazu hat der Verkäufer dem Käufer die Sozialcharta auferlegt, die Bestandteil des Kaufvertrags ist“ oder wie der Volksmund sagen würde ätschi bätschi. Übrigens die Muttergesellschaft PATRIZIA (also der Käufer) wirbt mit dem Slogan „Werte entscheiden“, die Doppeldeutigkeit dürfte für viele Mieter_innen wie ein Schlag ins Gesicht sein. wei­ter­le­sen →

presse2

Presseschau: Der Ausverkauf geht weiter… heute: TLG Wohnen

presse2Die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), verkauft die bundeseigene Immobiliengesellschaft TLG Wohnen an die Hamburger TAG Immobilien AG. Damit werden über 13.000 Wohnungen öffentliche Wohnungen privatisiert.

Es war bereits der zweite Versuch im ersten Anlauf scheiterte der Verkauf aufgrund der Finanzkrise. Für die frühere Treuhandtochter zahlt TAG rund 471 Mio. €, darin enthalten sind rund 256 Mio. € Schulden. Die TAG finanziert den kauft TLG Wohnen mit einer Kapitalerhöhung. „Verkaufssignal ist da“ meint GodmodeTrader Finanznachrichten dazu, also schlechtes Zeichen für die Aktionäre sprich Eigentümer der TAG Immobilien AG. Sehr neutral aber vorsichtig fasst wallstreet-online die Zahlen und Fakten des Deals zusammen. Durch den Kauf wird sich der Wohnungsbestand der TAG mehr als verdoppeln. Ein Bankenkonsortium aus Barclays, Credit Suisse, Close Brothers Seydler Bank, Kempen & Co und UniCredit Bank kümmert sich um die Finanzierung des Deals und die Kapitalerhöhung.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte: «Wir freuen uns, mit der TAG Immobilien AG einen Investor gefunden zu haben, für den die Bestandsbewirtschaftung im Vordergrund steht und der sich zu einer weiterhin soliden Entwicklung der TLG Wohnen verpflichtet hat.»

„Angesichts der aktuellen Mietpreisentwicklung muss die Bundesregierung alles unternehmen, um preiswerte Wohnungsbestände zu sichern. Sie macht das Gegenteil“, teilte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten mit.

Und wie gut so was klappt wissen wir ja aus der Vergangenheit von Südewo & Co. Schäuble hätte auch sagen können: „Dazu lernen, Nein Danke!“

Sozialcharta – nicht gewollt oder nicht gekonnt?

Dass öffentliche Wohnungsbestände an Investoren verkauft werden, haben wir in den letzten Jahren öfter (mit)erleben müssen. Die Erfahrungen waren in der ganzen Republik immer wieder dieselben. Ob GSW, LEG, GAGFAH, Wohnungsbau Niedersachsen, WG Norden und der Osnabrücker Wohnungsgesellschaft, WOBA Dresden,… (die Liste ist lang), die Folgen – überall gleich. Die öffentliche Hand verliert mit ihrem Wohnungsbestand ein politisches Steuerungsinstrument und ein marktwirtschaftliches noch dazu. Schließlich fließen die Mieten der (i.d.R. mal mit steuerlichen Geldern geförderten oder errichteten) Wohnungen heute genauso in den Mietspiegel ein, wie alle anderen auch. Doppelt Pech!

Die Mieter_innen, die einst in diese Wohnungen zogen, suchten sich diese nicht selten nach dem Geldbeutel aus. Selten wegen der Ausstattung, noch seltener wegen der Architektur. Nun haben sie einen Vermieter der aber gar nicht an Leute wie sie vermieten will. Lieber im Luxussegment, das boomt ja auch wie kein anderes.

Ja, Fehler passieren und unsere Städte und Gemeinden sind so arm dran, dass sie ihr Vermögen versilbern müssen, um Straßen und Schulen usw. instand zu halten (und wir wissen wie gut das klappt). Ein Systemfehler der lösbar wäre, nötig wäre nur der politische Wille. Lichtblick war Freiburg, wie viele Kommunen wollte auch diese durch den Verkauf der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau Geld in die leeren Stadtkassen spülen. Jedoch sahen die Freiburger_innen das anders und stoppten den Verkauf mit einem Bürgerentscheid.

Nun erleben wir das Beispiel der ehemals landeseigenen Wohnungen Baden-Württembergs. Die LBBW musste sich auf EU-Geheiß von den Wohnungen trennen, im Gegenzug für Staatshilfen (weil sie Bank halt auch nicht können). Die LBBW Immobilien heute Süddeutsche Wohnen GmbH, oder kurz (weil es so niedlich klingt) Südewo, wurde von der Immobiliengesellschaft Patrizia gekauft. Sogar eine Sozialcharta wurde vereinbart. Der Mieterbund Baden-Württemberg hatte wiederholt vor der Patrizia gewarnt. Auch die Karlsruher Grünen so und kritisierten den Deal und forderten einen wirkungsvollen Schutz für Mieter von LBBW-Wohnungen. Sie befürchteten (wie sich zeigte zu recht) „unsoziale Mieterhöhungen und Eigenbedarfskündigungen auch für Mieter in Karlsruhe.“

Aber da war doch die Sozialcharta vor, oder? HaHa! Selten so gelacht, die Sozialcharta begrenzt die Mieterhöhungen 3 % plus Inflationsrate. Die „Grenze“ bezieht sich aber auf den Durchschnitt der 21.000 LBBW-Wohnungen und nicht auf den einzelnen Mietvertrag. Für die „Einzelfälle“ heißt es also: April, April, das BGB gilt. Haben nun Ahnungslose dumme Sachen gemacht oder war eine wirksame Sozialcharta nicht gewollt, weil dies den Kaufpreis gedrückt hätte?

Zieht man den gesunden Menschenverstand zu rate, müsste man zu dem Schluss kommen, dass nach über 10 Jahren Misserfolg ein Umdenken einsetzt. Pustekuchen! Aktuell steht die BayernLB vor dem Verkauf der GBW-Wohnungen, für die ca. 85.000 Mieter_innen können wir nur hoffen, dass es nicht wieder so ausgeht. Aber Hoffnung machen wird immer schwerer…